600 Jahre müssen wie das Zeitrad zurückdrehen,
um unser Heimatdorf entstehen zu sehen.
1348 wird es zum ersten Mal in einer Urkunde erwähnt.
Kirche und Rittergut standen bereits.
Sein Name war kurz Reichenbach. Erst später taucht Dornreichenbach
auf, was auf die dorngestrüppreiche Gegend zutrifft.
Zeiten der Not gingen über das Dorf hinweg. Es brannte 1637 im
30-jährigen Krieg gänzlich ab. Die Bewohner kamen um oder
ließen sich in anderen Dörfern nieder.
15 Jahre wohnte hier kein Mensch. Dornen und Gestrüpp überwucherten
Feder und Dorf. Alrich von Mordeisen fing 1653 an, das Dorf mit Kirche
und Schule wieder aufzubauen. 200 Jahre blieb Dornreichenbach im Besitz
dieser Familie. 1670 verwüstete ein Sturm die gegend. Dächer
von Kirche und Schule wurden abgedeckt. Es wohnten 60 Menschen im
Dorf, die alle dem Rittergut unterstanden. Der Gutsherr hatte Gerichtsbarkeit.
Die Untertanen hatten Frondienste zu leisten, Weidegeld zu zahlen.
Zum Rittergut gehört neben dem Wirtschaftsgebäude, die große
und kleine Schenke mit Brauhaus, Erbschmiede, Lustgarten, Steinbrüche
(Zachmann, Kahle), 23 Teiche.
1000 Schafe wurden gehalten. Die letzten Besitzer waren die Herren
von Minkwitz.
Seit 1932 bis 1945 gehörte das Schloss Herrn Max Drechsel, einem
Strumpffabrikanten.
Der Aufschwung der Steinindustrie ließ auch unser Dorf größer
werden, so dass es heute ca. 800 Einwohner (mit AWO-Bewohnern) hat.
Quelle: Unbekannter Autor
Historische Ansichten unserer Heimat
Schloß Dornreichenbach vor 100 Jahren als Kulisse
für Turnierritter
Das gewachsene Interesse für die sächsische Geschichte begünstigt
auch das Bestreben, ältere bildliche Darstellungen aus der Heimat
vor dem Vergessenwerden zu bewahren, sie unseren Lesern vorzustellen
und zu erläutern. Dem Verlag Bild und Heimat in Reichenbach/Vogtland
ist es zu danken, dass er vor einiger Zeit einen Nachdruck „Ritter
in Sachsen“ in Postkartenform herausbrachte, der an einen Festtag
des Hauses Wettin anknüpfte. Vor etwa 100 Jahren, 1889, beging
dieses mit der Geschichte der Mark Meißens und Sachsen eng verbundene
Herscherhaus seine 800-Jahr-Feier.
Ein Dresdener Historiker, Freiherr von Mansberg, hatte die Idee,
einen Turnierzug in Kleidung und Rüstung des 14. Jahrhunderts,
als das Rittertum in seiner Blüte stand, zusammenzustellen und
im Festzugparadieren zu lassen. Er wandte sich an den sächsischen
Adel mit der Bitte um Unterstützung des Vorhabens. Bereitwillig
sagten viele Barone, Freiherren und Grafen zu, nach vorgegebenen Hinweisen
die erforderliche Kleidung für sich und einen Knappen anfertigen
und die Waffen aufgrund historischer Vorbilder nacharbeiten zu lassen.
Das Ergebnis war frappierend: Am 19. Juni 1889 zog ein farbenprächtiger
Reiterzug, begleitet von Knappen/Schildträgern zu Fuß und
musikalisch mit Pauken und Trompeten unterstützt von zwei Kavallerie-Musikkorps,
in historischen Uniformen an der Ehrentribüne am Dresdener Neumarkt
vorüber. Die Damen und Herren sparten nicht mit Beifall. Die
von nah und fern herbeigeeilten „Gucker“ kamen voll auf
ihre Kosten, als die historische Schar vorbeitrabte. Ein Dresdener
Verlag „vermarktete“ das Ereignis und brachte 1890 drei
Sammelmappen mit den Bildern heraus. Fast 200 Mitglieder sächsischer
Adelsgeschlechter sind uns dadurch auf diese Art und Weise erhalten
geblieben. Verständlicherweise wirkt die Darstellung von Ross
und Reiter sowie Knappen etwas theatralisch; sie sieht im Stile der
Historismus jener Jahre wie eine Szene aus Wagners „Lohengrin“
oder „Tannhäuser“ aus. Unser Bild zeigt Hans (zu
Pferde) und Herrmann von Minckwitz vor Schloss Dornreichenbach im
Bauzustand des Jahres 1890. Das Schildwappen der Familie, schwarz
– silber (weiß) mit dreifacher Spitzenteilung, dass der
Knappe trägt, kehr auf der Kleidung des Ritters und auf der Schabracke
des Pferdes wieder. Selbst das Gewand des Schildträgers, die
Straußenfedern auf dem Turnierhelm des Reiters, sogar die Bemalung
der Stechlanze, ist in den Wappenfarben gehalten. Vom Turme weht die
Fahne mit dem gleichen Symbol.
Zeitungsausschnitt (Unbekannte Zeitung) von S.S.